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BONN. Wenn es in der öffentlichen Diskussion um den Klimawandel geht, kommt die Sprache meistens auf das von Autos und Fabriken in Unmengen ausgestoßene Kohlendioxid. Das viel gefährlichere Methan fällt dabei gerne mal unter den Tisch, dabei ist es als Treibhausgas rund 25-mal wirkungsvoller und trägt mit etwa 20 Prozent zum vom Menschen verursachten Treibhauseffekt bei.

Von Thomas Kölsch, 31.08.2015

Es entsteht unter anderem durch den Reisanbau – und genau an dieser Stelle will die junge Wissenschaftlerin Agatha O. Akpeokhai ansetzen. Die Nigerianerin erforscht mit einem einjährigen Internationalen Klimaschutzstipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Universität Bonn, wie sich dieser Treibhausgasausstoß in ihrem Heimatland, dem größten Reisproduzenten Westafrikas, effektiv drosseln lässt.

“Reis ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel in Nigeria”, sagt die 28-Jährige, “also hat die Regierung jahrzehntelang immer mehr Flächen für den Anbau freigegeben. Das ist ja auch richtig, aber mit entsprechenden Maßnahmen ließe sich die Menge des dabei frei werdenden Methans durchaus reduzieren.” Vor allem die Bewässerung der Felder sei verbesserungswürdig. “Methan entsteht etwa bei Faulprozessen in stehenden Gewässern. Wenn man also die Felder ab und zu trocken legt, hat man schon etwas erreicht.”

Das Problem sei denn auch nicht, Alternativen zu den bestehenden Anbaumethoden zu finden, sondern vielmehr, die Reisbauern Nigerias von ihnen zu überzeugen. Denn Änderungen kosten Zeit und Geld, und auch wenn die Landwirte das Problem verstehen würden, so würden sie doch nicht die Resultate sehen, so Akpeokhai.

Dabei sollen nun jene Zahlen und Statistiken helfen, die die junge Frau zusammenstellt. “Wir müssen herausfinden, welcher Prozentsatz des Landes auf welche Weise für den Reisanbau genutzt wird und welche Emissionen aus den verschiedenen Anbaumethoden entstehen. Mit diesen konkreten Daten kann man dann mit der Regierung und mit den Landwirten reden und Optionen überprüfen, die effizient, finanzierbar und nachhaltig sind. Ziel ist es, jene Anbaumethoden zu fördern, die mit einem geringeren Ausstoß von klimawirksamen Gasen verbunden sind”, sagt Akpeokhai.

Ihre Forschungen hätte die Nigerianerin, die in ihrer Heimat Agrarwissenschaften studierte und sich dort während ihres Masters auf den Klimaschutz spezialisierte, dank des Stipendiums der Humboldt-Stiftung überall in Deutschland durchführen können. Die Wahl fiel allerdings recht schnell auf Bonn: “Die Fernerkundungs-Arbeitsgruppe von Herrn Professor Menz hat einen hervorragenden Ruf, ihre Forschungsarbeit ist faszinierend”, sagt Akpeokhai, die sich in der Bundesstadt sehr wohl fühlt und mit dem Stand ihrer Arbeit bereits recht zufrieden ist.

“Etwa die Hälfte ist fertig, 70 Prozent der Daten liegen bereits vor”, erklärt sie. “Wenn ich fertig bin, werde ich diese auch an die Bauern in Nigeria weiterleiten, an die Dorfvorsteher und an die Oberhäupter der verschiedenen Genossenschaften – und dann hoffe ich, dass alle die Bedürfnisse und auch die Vorteile sehen, ein paar Dinge zu ändern.”